Großes Interesse an Islam-Tagung

Schule, Uni und Moschee

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Großes Interesse auch von Seiten der Medien herrschte an der Islamtagung, die Anfang März in Hofgeismar stattfand. Thema war dieses Mal die muslimische Bildungslandschaft in Hessen und vor allem der neu eingeführte islamische Religionsunterricht an Grundschulen.

Über 50 Teilnehmer kamen zu der diesjährigen Hofgeismarer Islamtagung mit dem Titel "Schule, Uni und Moschee - muslimische Bildungslandschaft in Hessen. Als Referenten waren Islamwissenschaftler, Religionspädagogen und muslimische Religionslehrer eingeladen, die von ihren Erfahren berichteten. Ausblicke auf die weitere Entwicklung gaben auch Vertreter des Hessischen Kultusministeriums und der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V). Weitere Themen waren die Ausbildung der Imame in Deutschland und die Organisation muslimischer Studierender an deutschen Universitäten.

So berichtete der epd folgendes in seiner Meldung vom 7. März:

Der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht in Hessen soll weiter ausgebaut werden. Dies kündigte Nurgül Altuntas vom Hessischen Kultusministerium am Samstag auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar an. Schon jetzt könne der zum Schuljahr 2013/2014 als ordentliches Lehrfach eingeführte Unterricht als ein "historischer Erfolg" bezeichnet werden, sagte sie. Mit diesem bundesweit einmaligen Schritt sei Schulgeschichte geschrieben worden. Der Unterricht, der sich zunächst auf Grundschulen beschränkt, sei mit insgesamt 19 Lehrkräften gestartet worden.

Momentan werde rund 1.150 Schülern in 61 Klassen an 36 Schulen islamischer Religionsunterricht erteilt, sagte Fuat Kurt, Landesvorsitzender der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib). Grundsätzlich stehe es auch nichtmuslimischen Kindern oder Kindern von Eltern, die nicht der Ditib angehörten, frei, an diesem Religionsunterricht teilzunehmen. Aktuell werde zudem an einem Curriculum für künftige Religionslehrer gearbeitet, die an der Goethe-Universität Frankfurt ausgebildet werden sollen.

Die Direktorin des Pädagogisch-Theologischen Instituts der beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen, Gudrun Neebe, begrüßte die erfolgreiche Einführung des Unterrichts. Die kurhessische und die hessen-nassauische Kirche hätten sich dafür ausgesprochen, da dieser Unterricht der religiösen Bildung insgesamt diene. Der Unterricht, der momentan nur in der ersten und zweiten Klassenstufe unterrichtet wird, sei ein hervorragendes Integrationsprojekt.

Nurgül Altuntas wies darauf hin, dass viele muslimische Schüler "religiöse Analphabeten" seien. Oft hätten sie auf Fragen andersgläubiger Mitschüler nach den Regeln ihrer Religion keine andere Antwort als die, dass sie eben Muslime seien. "Gegenüber evangelischen Schülern sind viele nicht kommunikationsfähig", sagte Altuntas. Der islamische Religionsunterricht könne dazu helfen, sie mit den Grundlagen des muslimischen Glaubens und dem Koran vertrauter zu machen.

Zu große Erwartungen dürften an den Unterricht allerdings nicht gestellt werden, ergänzte Yasar Sarikaya, der an der Universität Gießen islamische Theologie und Didaktik lehrt und islamische Religionslehrer ausbildet. "Die Religion kann nicht alle Probleme lösen, aber sie kann sie auch nicht alleine schaffen", sagte er im Hinblick auf radikale Muslime. Eine Radikalisierung habe meist noch andere Ursachen als die Religion, etwa die Marginalisierung oder Isolierung von Menschen. (7.3.15)