Warum tagen wir in einem Schloss?
Eine kurze Geschichte des Gesundbrunnen Hofgeismar
„Gesundbrunnen“: Die Ev. Akademie Hofgeismar hat eine besonders schöne Adresse – und ein Schloss. Wie kommt das?
Heute haben vier kirchliche und diakonische Einrichtungen ihren Sitz am Gesundbrunnen: Die Ev. Altenhilfe, das Ev. Studienseminar, die Ev. Tagungsstätte und die Ev. Akademie. Ursprünglich handelte es sich beim Gesundbrunnen aber nicht um einen Ort der Kirche, sondern um einen ganz säkularen Badeort.
1639
Alles begann im 30-jährigen Krieg. Die Legende erzählt, dass am Ostersonntag 1639 ein Soldat vom Wasser des heutigen Gesundbrunnens geheilt wird.
1700
Im Jahr 1700 erteilt Landgraf Karl den Auftrag zum Bau eines Kurbads.
1732
1732 wird das Karlsbad fertiggestellt.
1745
1745 kommt das Wilhelmsbad hinzu – das heutige Hauptgebäude der Ev. Tagungsstätte. Aus dem früheren Kursaal wurde der heutige Synodalsaal: Hier findet ein Großteil der Tagungen der Ev. Akademie Hofgeismar statt. Und wo sich früher Spielsäle, Buchläden und Boutiquen befanden, kann heute in kleinen Gruppen gearbeitet werden.
1770
Das Friedrichsbad, in dem heute das Ev. Studienseminar untergebracht ist, wird 1770 von Landgraf Friedrich II als Konzert- und Speisesaal für den Hof errichtet. Nun beginnt mit Bade- und Trinkkuren die große Zeit des Gesundbrunnens.
1790
Seit 1790 prägt schließlich das Schlösschen Schönburg das Gelände am Gesundbrunnen. Landgraf Wilhelm IX., der spätere Kurfürst Wilhelm I., hat sich dieses Juwel als Rückzugsort erbauen lassen. Für die Architektur war Simon du Ry verantwortlich, der auch als Architekt von Fridericianum, Schloss Wilhelmshöhe und Schloss Wilhelmsthal bekannt ist.
1792
Auch der 1792 errichtete Brunnentempel ist das Werk von Simon du Ry.
1804
Im Jahr 1804 wird noch der „Lac“ vor dem Schlösschen gestaltet. Um 1800 erhält das Gelände am Gesundbrunnen also mit Schlösschen, Brunnentempel und Lac durch Kurfürst Wilhelm I. und Architekt du Ry seine bis heute prägende Gestalt. Leider geht der Zahl der Besucher*innen schon bald zurück. Die Quelle sprudelt nicht besonders üppig, und im Jahr 1790 erhält der Gesundbrunnen Konkurrenz durch den aufstrebenden Badeort Bad Pyrmont. Schon 1793 beklagt die kurhessische Rentkammer ein jährliches Defizit von 250 Reichstalern
1848
Der Bau der Bahnverbindung von Kassel nach Hofgeismar (1848) ist der Versuch, dem Badeort neuen Schwung zu geben. Bis dahin war eine fünfstündige Reise mit der Kutsche nötig, um zum „Gesundbrunnen bei Hofgeismar“ zu gelangen.
1866
1866 wird der Badebetrieb schließlich eingestellt.
1891
Mit der Gründung des Predigerseminars im Jahr 1891 beginnt die Phase der kirchlich-diakonischen Nutzung des Gesundbrunnen-Areals.
1893
1893 wird das „Hessische Siechenhaus“ eröffnet – der Grundstein für die heutige Ev. Altenhilfe.
1897
Seit 1897 ertönen die Glocken der Brunnenkirche.
1947
Nach der Erfahrung des Nationalsozialismus wird im Jahr 1947 die Ev. Akademie gegründet mit dem Ziel, zur Demokratisierung der Gesellschaft beizutragen.
1952
Waren im und nach dem Zweiten Weltkrieg im Schlösschen Flüchtlinge untergebracht, so zieht die Ev. Akademie 1952 schließlich ins Schlösschen um.
2014
In den Jahren 2014-2017 wird das Schlösschen saniert und dabei die ursprüngliche Farbigkeit wiederhergestellt. Zugleich wird bei der Sanierung auf Funktionalität geachtet: Das Schlösschen ist auch heute kein Museum, sondern für die Ev. Akademie Hofgeismar ein Ort der Begegnung, Bildung und Debatte.