Viele Tipps für eine Energiewende

Klimaschutz in Nordhessen praxisnah

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Die aktuelle Debatte um den Klimawandel und die Fridays for future-Bewegung griff die Akademie mit einer Tagung zur Energiewende auf. Von Freitag, 16. August bis Sonntag 18. August diskutierten Klimaforscher, Leiter von Stadtwerken, Energieagenturen und Forschungseinrichtungen zusammen mit Vertretern von Naturschutzinitiativen aus der Region, wie eine Energiewende in Nordhessen gelingen und zum Klimaschutz beitragen kann.

An drei Tagen wurde leidenschaftlich diskutiert, die knapp 50 Teilnehmenden tauschten ihre Ideen aus und schöpften Motivation für zukünftige Schritte.

Am Freitagabend startete Dr. Karsten McGovern, Leiter der LEA, mit der Frage in die Veranstaltung, ob die Energiewende ein Jahrhundertprojekt ist. Das Votum lautet einvernehmlich: Ja – vor allem wenn man bedenkt, dass Klimaschutz und Energiewende unzertrennlich zusammengehören. Alle Teilnehmenden waren sich einig: wir haben uns ziemlich was vorgenommen in Hessen. 

Den Samstag eröffnete Prof. Dr. Clemens Hoffmann, Institutsleiter des Fraunhofer IEE, in Kassel. In seinem Überblicksvortrag beleuchtete er die verschiedenen Möglichkeiten der Energieerzeugung in Hessen. Die Windenergie berge für Hessen ein besonders großes Potenzial. Gleichermaßen würden die Debatten darum intensiv geführt. Eindringlich erläuterte Prof. Hoffmann, warum die Energieerzeugung den Planeten und die Energiewende die Gemüter – sowohl von Befürwortern als auch Gegnern – erhitzt. Die zahlreichen Fragen und Denkanstöße aus dem Publikum wurden intensiv erörtert. Die Beiträge trugen zu einer spannenden Erweiterung der Perspektiven bei.

Anschließend kamen die Teilnehmenden an drei Thementischen zu den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität zusammen. Martin Rühl zeigte am Tisch „Strom“ die Vorteile einer dezentralen Energieversorgung auf. Armin Raatz, Klima und Energieeffizient Agentur (KEEA) aus Kassel, stelle das Projekt des Pflegeheims Gertrudenstift aus Baunatal vor. Das Wärmekonzept mit erneuerbaren Quellen ermöglicht Einsparungen, Effizienz und Abwärmenutzung. Michael Schramek, EcoLibro, lieferte Anknüpfungspunkte im Alltag für eine gemeinschaftlich gedachte individuale Mobilität.

In den Themenworkshops  standen die Übertragung des Gelernten in die Praxis und in den Alltag im Vordergrund. Eine Gruppe machte sich gemeinsam mit Lars Rotzsche, Stadtwerke Union Nordhessen, und Christian Trappe, Pfarrer Lippoldsberg, auf in den Söhrewald. Hier wurde anhand eines Energielehrpfades und des vorhandenen Windparks die Windenergie erlebbar gemacht. Wie sehen Windenergieanlagen im Wald aus, wie ist die Geräuschkulisse einzuordnen, welche Dimensionen hat so ein Windpark? Ziel war es, dadurch Rückschlüsse auf den geplanten Windpark im Reinhardswald zu ermöglichen. Der zweite Workshop beschäftigte sich mit der Energiewende und dem Naturschutz. Viele vermuten hier einen Gegensatz. Die beiden Referenten, Lars Tornede vom NABU Paderborn und Florian Voigt von der Hessischen LandesEnergieAgentur, zeigten auf, dass bei den Planungen von erneuerbaren Energien, Eingriffe in die Natur minimiert und Kompromisse gefunden werden müssen und können. Der dritte Workshop befasste sich mit dem Thema „Photovoltaik in der Praxis – Was kann Solar leisten?“. Nach einer kurzen Einführung, woraus überhaupt eine PV-Anlage besteht, was diese kostet und welchen Nutzen man daraus zieht, wurden von den Teilnehmenden PV-Anlagen geplant und deren Wirtschaftlichkeit berechnet. Lisa Körner von der Hessischen LandesEnergieAgentur stellte das Solar-Kataster Hessen vor, mit dem man das Solarpotenzial seines eigenen Daches bewerten und die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Anlage errechnen lassen kann. Folke Mitzlaff und Thomas Straub von SMA aus Kassel stellten die Detailbetrachtung bis zur Auswahl von unterschiedlichen Komponenten dar. Im vierten und letzten Workshop wurden Handlungsoptionen für den Alltag aufgezeigt. Regine Beyss und Verena Koslowsky stellten die Stadtkommune Villa Locomuna vor und gaben einen Überblick über die zahlreichen Beteiligungsmöglichkeiten an Klimaschutzinitiativen in Kassel und der Umgebung.

Der zweite Seminartag endete mit einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der „Fridays For Future“-Bewegung aus Kassel und Hofgeismar, dem Bürgermeister von Hofgeismar, Markus Mannsbarth, sowie einem Vertreter der lokalen Wirtschaft, Andreas Schmitt von Management Service GmbH. Die Schülerinnen und Schüler machten ihre Motivation für die Klimabewegung deutlich und unterstrichen ihre Forderungen unter anderem nach der Abschaltung von Kohlekraftwerken und der Einführung einer CO2-Bepreisung bis Ende 2019. Bürgermeister Mannsbarth verdeutlichte die Auswirkungen des Klimawandels, die schon heute in der Region zu spüren sind. Musikalisch untermalt wurde der Abend durch die Hofgeismarer Schülerband „Die Bändt“.

Den Abschluss der Veranstaltung betrachtete Prof. Dr. Andreas Ernst von der Universität Kassel die Energiewende und den Klimaschutz aus der psychologischen Perspektive und erläuterte, warum es eigentlich so schwer ist, dem Reden auch Taten folgen zu lassen. Die Positionen der Evangelischen Kirche, vorgebracht von Dr. Ruth Gütter, Referentin für Nachhaltigkeit bei der EKD, schlossen sich an diesen Vortrag an. In der Abschlussdiskussion wurde der Frage nachgegangen, wie ein positives Zukunftsbild aussehen kann, wer ein solches Bild vermitteln könnte, welchen Beitrag die evangelische Kirche dabei leisten kann und vor allem in welchem Einflussbereich man selbst lebt.  

Nach fast drei Tagen intensiven Austauschs lässt sich zusammenfassen, dass die Herausforderungen Energiewende und Klimaschutz uns noch einige Zeit kosten werden und komplexe Entscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen nötig sind. Positiv ist aber, dass es viele Personen gibt, die bereit sind, in diesem Prozess Verantwortung zu übernehmen.

Im Vorfeld der Tagung und über die Tagung berichtete ausführlich die HNA Hofgeismar. Hier finden Sie den Artikel vom 3.8.2019: "Energie hat jeder in der Hand" und den Bericht vom 22.8.2019: "Halbwissen ist das größte Problem" mit weiteren Texten.

 

Viele Tipps für eine Energiewende

An drei Tagen wurde leidenschaftlich diskutiert, die knapp 50 Teilnehmenden tauschten ihre Ideen aus und schöpften Motivation für zukünftige Schritte.

Am Freitagabend startete Dr. Karsten McGovern, Leiter der LEA, mit der Frage in die Veranstaltung, ob die Energiewende ein Jahrhundertprojekt ist. Das Votum lautet einvernehmlich: Ja – vor allem wenn man bedenkt, dass Klimaschutz und Energiewende unzertrennlich zusammengehören. Alle Teilnehmenden waren sich einig: wir haben uns ziemlich was vorgenommen in Hessen. 

Den Samstag eröffnete Prof. Dr. Clemens Hoffmann, Institutsleiter des Fraunhofer IEE, in Kassel. In seinem Überblicksvortrag beleuchtete er die verschiedenen Möglichkeiten der Energieerzeugung in Hessen. Die Windenergie berge für Hessen ein besonders großes Potenzial. Gleichermaßen würden die Debatten darum intensiv geführt. Eindringlich erläuterte Prof. Hoffmann, warum die Energieerzeugung den Planeten und die Energiewende die Gemüter – sowohl von Befürwortern als auch Gegnern – erhitzt. Die zahlreichen Fragen und Denkanstöße aus dem Publikum wurden intensiv erörtert. Die Beiträge trugen zu einer spannenden Erweiterung der Perspektiven bei.

Anschließend kamen die Teilnehmenden an drei Thementischen zu den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität zusammen. Martin Rühl zeigte am Tisch „Strom“ die Vorteile einer dezentralen Energieversorgung auf. Armin Raatz, Klima und Energieeffizient Agentur (KEEA) aus Kassel, stelle das Projekt des Pflegeheims Gertrudenstift aus Baunatal vor. Das Wärmekonzept mit erneuerbaren Quellen ermöglicht Einsparungen, Effizienz und Abwärmenutzung. Michael Schramek, EcoLibro, lieferte Anknüpfungspunkte im Alltag für eine gemeinschaftlich gedachte individuale Mobilität.

In den Themenworkshops  standen die Übertragung des Gelernten in die Praxis und in den Alltag im Vordergrund. Eine Gruppe machte sich gemeinsam mit Lars Rotzsche, Stadtwerke Union Nordhessen, und Christian Trappe, Pfarrer Lippoldsberg, auf in den Söhrewald. Hier wurde anhand eines Energielehrpfades und des vorhandenen Windparks die Windenergie erlebbar gemacht. Wie sehen Windenergieanlagen im Wald aus, wie ist die Geräuschkulisse einzuordnen, welche Dimensionen hat so ein Windpark? Ziel war es, dadurch Rückschlüsse auf den geplanten Windpark im Reinhardswald zu ermöglichen. Der zweite Workshop beschäftigte sich mit der Energiewende und dem Naturschutz. Viele vermuten hier einen Gegensatz. Die beiden Referenten, Lars Tornede vom NABU Paderborn und Florian Voigt von der Hessischen LandesEnergieAgentur, zeigten auf, dass bei den Planungen von erneuerbaren Energien, Eingriffe in die Natur minimiert und Kompromisse gefunden werden müssen und können. Der dritte Workshop befasste sich mit dem Thema „Photovoltaik in der Praxis – Was kann Solar leisten?“. Nach einer kurzen Einführung, woraus überhaupt eine PV-Anlage besteht, was diese kostet und welchen Nutzen man daraus zieht, wurden von den Teilnehmenden PV-Anlagen geplant und deren Wirtschaftlichkeit berechnet. Lisa Körner von der Hessischen LandesEnergieAgentur stellte das Solar-Kataster Hessen vor, mit dem man das Solarpotenzial seines eigenen Daches bewerten und die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Anlage errechnen lassen kann. Folke Mitzlaff und Thomas Straub von SMA aus Kassel stellten die Detailbetrachtung bis zur Auswahl von unterschiedlichen Komponenten dar. Im vierten und letzten Workshop wurden Handlungsoptionen für den Alltag aufgezeigt. Regine Beyss und Verena Koslowsky stellten die Stadtkommune Villa Locomuna vor und gaben einen Überblick über die zahlreichen Beteiligungsmöglichkeiten an Klimaschutzinitiativen in Kassel und der Umgebung.

Der zweite Seminartag endete mit einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der „Fridays For Future“-Bewegung aus Kassel und Hofgeismar, dem Bürgermeister von Hofgeismar, Markus Mannsbarth, sowie einem Vertreter der lokalen Wirtschaft, Andreas Schmitt von Management Service GmbH. Die Schülerinnen und Schüler machten ihre Motivation für die Klimabewegung deutlich und unterstrichen ihre Forderungen unter anderem nach der Abschaltung von Kohlekraftwerken und der Einführung einer CO2-Bepreisung bis Ende 2019. Bürgermeister Mannsbarth verdeutlichte die Auswirkungen des Klimawandels, die schon heute in der Region zu spüren sind. Musikalisch untermalt wurde der Abend durch die Hofgeismarer Schülerband „Die Bändt“.

Den Abschluss der Veranstaltung betrachtete Prof. Dr. Andreas Ernst von der Universität Kassel die Energiewende und den Klimaschutz aus der psychologischen Perspektive und erläuterte, warum es eigentlich so schwer ist, dem Reden auch Taten folgen zu lassen. Die Positionen der Evangelischen Kirche, vorgebracht von Dr. Ruth Gütter, Referentin für Nachhaltigkeit bei der EKD, schlossen sich an diesen Vortrag an. In der Abschlussdiskussion wurde der Frage nachgegangen, wie ein positives Zukunftsbild aussehen kann, wer ein solches Bild vermitteln könnte, welchen Beitrag die evangelische Kirche dabei leisten kann und vor allem in welchem Einflussbereich man selbst lebt.  

Nach fast drei Tagen intensiven Austauschs lässt sich zusammenfassen, dass die Herausforderungen Energiewende und Klimaschutz uns noch einige Zeit kosten werden und komplexe Entscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen nötig sind. Positiv ist aber, dass es viele Personen gibt, die bereit sind, in diesem Prozess Verantwortung zu übernehmen.

Im Vorfeld der Tagung und über die Tagung berichtete ausführlich die HNA Hofgeismar. Hier finden Sie den Artikel vom 3.8.2019: "Energie hat jeder in der Hand" und den Bericht vom 22.8.2019: "Halbwissen ist das größte Problem" mit weiteren Texten.

 

2019-10-21 782