Gott loben in schwierigen Zeiten

Geistliche Betrachtung

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Gedanken zum Lied Joachim Neanders in der Passions- und Osterzeit

Himmelskreuz. Abtei Königsmünster
Himmelskreuz. Abtei Königsmünster

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Das Lied kennt jede/r: das Original Joachim Neanders oder auch in der ökumenischen Fassung des Gesangbuchs. Orgel und Posaunenchor klingen immer mit. Es ist ein Lied voller Jubel; doch hat es auch ernste Untertöne, die leicht überhört werden.

 

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,

der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.

In wieviel Not

hat nicht der gnädige Gott

über dir Flügel gebreitet!

So heißt es in der dritten Strophe „Lobe den Herrn“ – das Lob des Schöpfers wird gesungen: Wer das Lied singt, bekennt „Ich bin ein Geschöpf Gottes“. Das ist nicht nur eine schlichte Feststellung oder Behauptung. „Künstlich und fein“ hat Gott mich bereitet. Wir sollen uns Gott als Künstler und Kunsthandwerker besonderen Rangs vorstellen – und uns als sein Werk.

Ich bin Gottes Geschöpf. Das ist kein einmaliger, kein abgeschlossener Akt: Gott sorgt dafür, dass die Schöpfung auch weiterhin „läuft“, seine Geschöpfe leben können. Er begleitet und leitet sie – freundlich – durch ihr Leben. Doch er kennt auch ihre Not: Gott breitet Flügel über seinem Geschöpf aus, um sie zu schützen: ein Bild aus alten Psalmen, ein Rettungsschirm, von dem in diesen Tagen so oft die Rede ist.

Gesundheit und Not. Die Corona-Krise prägt seit Wochen unser Leben, das öffentliche Leben weltweit. Wie lange, ist nicht abzusehen und mit welchen Folgen ebenso wenig. Epidemien, Seuchen gibt es nicht erst heute; von ihrem Ausmaß und dass sie weltweit grassieren, wissen wir erst durch die moderne Kommunikations-Technik. Menschen leben seit jeher in Angst vor solchen Krankheiten, sie litten darunter, sie starben daran. Joachim Neander, der Dichter des Liedes „Lobe den Herren, den mächtigen König“ starb, kaum 30 Jahre alt, im Jahr 1680 in Bremen wohl an der Pest.

Die Bibel lässt Menschen in ihrer Not und Angst vor Krankheit und Epidemien zu Gott rufen: im 91. Psalm etwa, wo Gott durch seinen Schutz, Schirm, Schild und Schatten auch vor der Pest schützen soll und wird.

In dieser Woche, der vorösterlichen Kar- oder „Stillen“ Woche tritt wie jedes Jahr das Leiden und Sterben Jesu Christi vor Augen – und seine Auferstehung von den Toten: Karfreitag und Ostern! Der Tod Jesu ist ein gewalttätiger, ein von den politisch und religiös Verantwortlichen seiner Zeit gewünschter und beschlossener; Jesu Tod ist menschengemachtes Leid. Zugleich erinnern die Schilderungen des Leidens Christi – Schmerzen, Durst, Schweiß und Blut – auch an die Symptome des kranken menschlichen Körpers und seine Hinfälligkeit. Schon die frühen Christen brachten das Leiden Christi mit einer ebenso eindrücklichen wie bis heute rätselhaften Person in Verbindung, von der im zweiten Teil des Jesaja-Buches die Rede ist: dem „Gottesknecht“. Von ihm heißt es dort unter anderem:

„Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.“ (Jesaja 53,2-3)

Die Passionsgeschichte Jesu. Karfreitag erzählt die Geschichte des leidenden Gottes, des mit-leidenden Gottes: der in die Niederungen und Abgründe dieser Welt hinabsteigt, in die Gefängnisse, Flüchtlingslager, auch in die Krankenzimmer, in denen Menschen ihren letzten Weg gehen. Man kann das Liebe nennen – „der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet“, dichtet Joachim Neander. Man kann von der Solidarität Gottes mit dem Menschen sprechen, oder schlicht vom „Beistand“ Gottes, der selbst am Tiefpunkt und Schlusspunkt unseres Lebens bei uns steht und bleibt. Das ist ein Vorzeichen dafür, dass die Liebe stärker ist als Gewalt, Krankheit, Tod – österlich formuliert: Christus, der leidende, der mit-leidende ist auferstanden von den Toten. Er nimmt die Leidenden, Toten zu sich – in das Reich Gottes, das Reich der immerwährenden Liebe, des ewigen Lebens.

„Lobe den Herren…“Joachim Neander schließt sein Lied mit der Aufforderung “Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen.“ In diesem Jahr können wir dies an den Feiertagen nicht gemeinsam im Gottesdienst in der Kirche tun, allenfalls virtuell und digital. Doch wir können die heiligen Texte der Bibel zur Passions- und Osterzeit lesen: allein, zu zweit, in der Familie lesen, und die Lieder womöglich auch singen. Joachim Neander hätten wir dabei auf unserer Seite. Ursprünglich war sein Lied gar nicht für die Feier eines Gottesdienstes gedacht; es sollte „auf Reisen, zu Haus oder im Grünen“ gesungen werden. Er dachte dabei gewiss nicht an eine Corona-Epidemie, die das Reisen ohnehin verhindert. Doch Gott zu loben, das ist an keinen Ort gebunden nicht nur in der Passions- und der Osterzeit. 

 

Karl Waldeck

 

Gott loben in schwierigen Zeiten

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Das Lied kennt jede/r: das Original Joachim Neanders oder auch in der ökumenischen Fassung des Gesangbuchs. Orgel und Posaunenchor klingen immer mit. Es ist ein Lied voller Jubel; doch hat es auch ernste Untertöne, die leicht überhört werden.

 

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,

der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.

In wieviel Not

hat nicht der gnädige Gott

über dir Flügel gebreitet!

So heißt es in der dritten Strophe „Lobe den Herrn“ – das Lob des Schöpfers wird gesungen: Wer das Lied singt, bekennt „Ich bin ein Geschöpf Gottes“. Das ist nicht nur eine schlichte Feststellung oder Behauptung. „Künstlich und fein“ hat Gott mich bereitet. Wir sollen uns Gott als Künstler und Kunsthandwerker besonderen Rangs vorstellen – und uns als sein Werk.

Ich bin Gottes Geschöpf. Das ist kein einmaliger, kein abgeschlossener Akt: Gott sorgt dafür, dass die Schöpfung auch weiterhin „läuft“, seine Geschöpfe leben können. Er begleitet und leitet sie – freundlich – durch ihr Leben. Doch er kennt auch ihre Not: Gott breitet Flügel über seinem Geschöpf aus, um sie zu schützen: ein Bild aus alten Psalmen, ein Rettungsschirm, von dem in diesen Tagen so oft die Rede ist.

Gesundheit und Not. Die Corona-Krise prägt seit Wochen unser Leben, das öffentliche Leben weltweit. Wie lange, ist nicht abzusehen und mit welchen Folgen ebenso wenig. Epidemien, Seuchen gibt es nicht erst heute; von ihrem Ausmaß und dass sie weltweit grassieren, wissen wir erst durch die moderne Kommunikations-Technik. Menschen leben seit jeher in Angst vor solchen Krankheiten, sie litten darunter, sie starben daran. Joachim Neander, der Dichter des Liedes „Lobe den Herren, den mächtigen König“ starb, kaum 30 Jahre alt, im Jahr 1680 in Bremen wohl an der Pest.

Die Bibel lässt Menschen in ihrer Not und Angst vor Krankheit und Epidemien zu Gott rufen: im 91. Psalm etwa, wo Gott durch seinen Schutz, Schirm, Schild und Schatten auch vor der Pest schützen soll und wird.

In dieser Woche, der vorösterlichen Kar- oder „Stillen“ Woche tritt wie jedes Jahr das Leiden und Sterben Jesu Christi vor Augen – und seine Auferstehung von den Toten: Karfreitag und Ostern! Der Tod Jesu ist ein gewalttätiger, ein von den politisch und religiös Verantwortlichen seiner Zeit gewünschter und beschlossener; Jesu Tod ist menschengemachtes Leid. Zugleich erinnern die Schilderungen des Leidens Christi – Schmerzen, Durst, Schweiß und Blut – auch an die Symptome des kranken menschlichen Körpers und seine Hinfälligkeit. Schon die frühen Christen brachten das Leiden Christi mit einer ebenso eindrücklichen wie bis heute rätselhaften Person in Verbindung, von der im zweiten Teil des Jesaja-Buches die Rede ist: dem „Gottesknecht“. Von ihm heißt es dort unter anderem:

„Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.“ (Jesaja 53,2-3)

Die Passionsgeschichte Jesu. Karfreitag erzählt die Geschichte des leidenden Gottes, des mit-leidenden Gottes: der in die Niederungen und Abgründe dieser Welt hinabsteigt, in die Gefängnisse, Flüchtlingslager, auch in die Krankenzimmer, in denen Menschen ihren letzten Weg gehen. Man kann das Liebe nennen – „der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet“, dichtet Joachim Neander. Man kann von der Solidarität Gottes mit dem Menschen sprechen, oder schlicht vom „Beistand“ Gottes, der selbst am Tiefpunkt und Schlusspunkt unseres Lebens bei uns steht und bleibt. Das ist ein Vorzeichen dafür, dass die Liebe stärker ist als Gewalt, Krankheit, Tod – österlich formuliert: Christus, der leidende, der mit-leidende ist auferstanden von den Toten. Er nimmt die Leidenden, Toten zu sich – in das Reich Gottes, das Reich der immerwährenden Liebe, des ewigen Lebens.

„Lobe den Herren…“Joachim Neander schließt sein Lied mit der Aufforderung “Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen.“ In diesem Jahr können wir dies an den Feiertagen nicht gemeinsam im Gottesdienst in der Kirche tun, allenfalls virtuell und digital. Doch wir können die heiligen Texte der Bibel zur Passions- und Osterzeit lesen: allein, zu zweit, in der Familie lesen, und die Lieder womöglich auch singen. Joachim Neander hätten wir dabei auf unserer Seite. Ursprünglich war sein Lied gar nicht für die Feier eines Gottesdienstes gedacht; es sollte „auf Reisen, zu Haus oder im Grünen“ gesungen werden. Er dachte dabei gewiss nicht an eine Corona-Epidemie, die das Reisen ohnehin verhindert. Doch Gott zu loben, das ist an keinen Ort gebunden nicht nur in der Passions- und der Osterzeit. 

 

Karl Waldeck

 

2020-08-06 836