Gemeinsame Pressemitteilung zur Veranstaltung: „TIERETHIK IM KONFLIKT –WELCHE VERANTWORTUNG HABEN WIR FÜR TIERE?“

Gemeinsame Pressemitteilung zur Veranstaltung: „TIERETHIK IM KONFLIKT –WELCHE VERANTWORTUNG HABEN WIR FÜR TIERE?“

Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e. V.
Landestierschutzbeauftragte Baden-Württemberg
Landestierschutzbeauftragte Hessen
Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V.

Hofgeismar, 10. Juni 2024 – Die rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung „Tierethik im Konflikt – Welche Verantwortung haben wir für Tiere?“ an der Evangelischen Akademie Hofgeismar, die vom 7. bis 9. Juni 2024 stattfand, haben als Ergebnis der Tagung eine Resolution verabschiedet, die an die Bundesregierung, Landesregierungen und Religionsgemeinschaften gerichtet ist und an diese übersandt wurde.
Anknüpfend an vier Leitthemen, in die durch Referate hochkarätiger Referenten eingeführt wurde (landwirtschaftlich genutzte Tiere, Tiere im Tierversuch, Heimtiere und Wildtiere) wurden von den Teilnehmenden Forderungen formuliert und im Plenum als Resolution verabschiedet.
Die Tagung wurde durch einen Einführungsvortrag zur Tierethik von der Philosophin und Publizistin Dr. Friederike Schmitz eröffnet, die mit ihrer Sensibilitäts-Ethik darauf hinwies, dass das vorherrschende Verhältnis zwischen Mensch und Tier dringend einer Neuausrichtung bedürfe.
Für das Leitthema der landwirtschaftlich genutzten Tiere konnte der Jurist Prof. Dr. Johannes Caspar gewonnen werden, der in seinem Referat darstellte, dass die Bundesregierung zwar die umfassendste Änderung des Tierschutzgesetzes seit zehn Jahren angekündigt habe, in den aktuellen Entwürfen tatsächlich nur unzureichende Änderungen geplant seien. Der große Gamechanger für den Schutz der Tiere sei nach Einordnung von Prof. Caspar nicht in Aussicht. Das Tier gehe immer noch unter, weil es keinen habe, der für es vor Gericht ziehen und seine Rechte durchsetzen könne, und das trotz behördlicher Aufgabenzuweisung, den Tierschutz durchzusetzen.
Prof. Dr. Kurt Remele, römisch-katholischer Theologe und Ethiker, warf einen kritischen Blick auf die Rolle der Kirche zu ihrem Verständnis bezüglich der Begriffe der Tierwürde und Tierrechte. Die von den Kirchen geäußerte Behauptung, Tiere seien Mitgeschöpfe, müssten mehr sein als eine salbungsvolle Plattitüde.
Der Berliner Fachtierarzt für Tierpathologie Prof. Dr. Achim Gruber beleuchtete die dramatischen gesundheitlichen Folgen, die durch fragwürdige Zuchtziele im Heimtierbereich verursacht werden. Ähnlich wie Autos oder Handys, die zuweilen mit neuen technischen Features oder neuen Farbvarianten versehen oder einem Facelift unterzogen werden, machten Züchter das auch mit Hunderassen. Das seien aber keine bewundernswerten „Ingenieursleistungen“ von Züchtern, sondern die Anzüchtung schwerer Missbildungen der Tiere, die darunter ganz erheblich litten. Gruber appellierte, dringend Abstand zu nehmen vom vielfach verherrlichten Prinzip der Reinrassigkeit mit starker Inzucht.
Zu ethischen Handlungsoptionen gegenüber Wildtieren referierte der österreichische Tierarzt wHR Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer. Er beschäftigte sich mit der Frage, wo der Mensch im Hinblick auf Wildtiere intervenieren sollte. Der Mensch habe die moralische Verpflichtung, vermeidbares Tierleid auch bei Wildtieren zu verhindern oder zu vermindern, wenn es möglich und wenn absehbar sei, dass die menschliche Intervention nicht zu mehr Tierleid im Vergleich zu einer unterlassenen Intervention führe. Die Hilfsbedürftigkeit der Wildtiere sei oft auf menschgemachte Gründe zurückzuführen, allein daraus folge schon eine Verpflichtung des Menschen zur Hilfeleistung.
Die Landestierschutzbeauftragte des Landes Berlin, Dr. Kathrin Herrmann, referierte über Tiere im Versuch als wissenschaftliche Methode und deren Ersetzbarkeit durch andere erkenntnisbringende Methoden. Sie stellte die schlechte Übertragbarkeit der Ergebnisse biomedizinischer Forschung mit Tieren auf den Menschen heraus und, dass sich trotzdem in Kreisen experimentell forschender Wissenschaftler hartnäckig die Meinung halte, dass Tierversuche unabdingbar und ein zuverlässiges Mittel seien, menschliche Krankheiten zu verstehen und zu bekämpfen.
Die Tagung wurde mit Redebeiträgen über eine tierliche Interessenvertretung von Dr. Philipp von Gall sowie der ersten Bundestierschutzbeauftragten Ariane Kari, beschlossen, die über ihre beeindruckende und vielfältige Tätigkeit im ersten Jahr ihrer Amtszeit und über aktuelle Entwicklungen bei der Umsetzung der geplanten Tierschutzrechts-Novelle berichtete.
„Die Tierschutz-Tagung an der Evangelischen Akademie Hofgeismar, die alle zwei Jahre stattfindet, war gleichsam ein Update, wo wir derzeit im Tierschutz stehen und wo wir hin sollten“, so Torsten Schmidt von dem mitveranstaltenden Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V. „Mit der von den Teilnehmern erarbeiteten Resolution hoffen wir, dass der Wille der Gesellschaft für mehr Tierschutz von den zuständigen Akteuren beachtet wird“, so Schmidt weiter.

Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e. V.
Landestierschutzbeauftragte Baden-Württemberg
Landestierschutzbeauftragte Hessen
Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V.
Kontakt: 0172-2895384, poststelle@djgt.de

Gemeinsame Pressemitteilung zur Veranstaltung: „TIERETHIK IM KONFLIKT –WELCHE VERANTWORTUNG HABEN WIR FÜR TIERE?“

Resolution der Tagung „TIERETHIK IM KONFLIKT –WELCHE VERANTWORTUNG HABEN WIR FÜR TIERE?“

7. BIS 9. JUNI 2024

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung „Tierethik im Konflikt – Welche Verantwortung haben wir für Tiere?“ an der Evangelischen Akademie Hofgeismar, 7. bis 9. Juni 2024 haben folgende Resolution mit 18 Forderungen verabschiedet:
Wir fordern……
1.
eine § 2 TierSchG-konforme Normenpräzisierung für alle landwirtschaftlich genutzten Tierarten und Kategorien;
2.
eine wesentlich verbesserte personelle und materielle Ausstattung der mit Tierschutz befassten Behörden (Veterinäramt, Staatsanwaltschaft, Gericht), insbesondere mit ausreichend qualifiziertem Personal;
3.
eine faire, der Realität entsprechende Aufklärung der Kinder und Erwachsenen über die aktuelle „Tierproduktion“ sowie über Wildtiere, deren notwendige Berücksichtigung im Tierschutz und über die Jagd;
4.
eine Fortbildung für Lehrkräfte und Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler unter Einbeziehung von Lebenshöfen und die Anpassung der Lehrmaterialien an den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse über nicht menschliche Tiere;
5.
das Land Berlin auf, den im Januar 2019 eingereichten Antrag auf abstrakte Normenkontrolle betreffend die Nichtigkeit von Vorschriften des Abschnitts 5 TierSchNutztV (Anforderungen an das Halten von Schweinen) ernsthaft weiter zu betreiben;
6.
zusätzlich zu dem bereits bestehenden gesetzlichen „Qualzucht“verbot ein Verbot des Imports, des Handelns mit und des Erwerbs von Tieren mit vererbbaren Defektanlagen und ein Verbot der Haltung solcher Tiere mit Ausnahme der zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Vorschrift bereits vorhandenen Tiere;
7.
die vorhandene Verordnungs-Ermächtigung in § 11b Abs. 4 TierSchG und die in dem Gesetzentwurf der Bundesregierung – Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes und des Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetzes – in § 11b Abs. 4 geplante Verordnungsermächtigung um eine Verordnungs-Ermächtigung zu ergänzen, nach der das Bundesministerium innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten dieser Vorschrift eine Verordnung in den Bundesrat leiten muss, mit der vererbbare Defektanlagen konkretisiert werden;
8.
einen verpflichtenden Sachkundenachweis für Halterinnen und Halter privat gehaltener Heimtiere;
9.
eine Positivliste für den Handel mit und die private Haltung von Tieren;
10.
eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen;
11.
einen verpflichtenden Identitätsnachweis von Anbieterinnen und Anbietern von Tieren auf Online-Plattformen;
12.
die Strafnorm des § 17 TierSchG nicht zu Gunsten der Tötung überzähliger Tiere, die nicht in der wissenschaftlichen Forschung zum Einsatz kommen, aufzuweichen;
13.
die vollumfängliche Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie sowie die Einführung einer Obergrenze für Schmerzen, Leiden und Ängste, die in wissenschaftlichen Verfahren nicht überschritten werden darf;
14.
die verpflichtende Einführung von Professuren für Non Animal Methods (NAMs) an allen Standorten für Forschung und Lehre;
15.
die Erarbeitung einer Ausstiegsstrategie aus dem Tierversuch innerhalb einer festzusetzenden Frist;
16.
die Religionsgemeinschaften auf, die zunehmend zu beobachtenden Aufbrüche von religiösen Traditionen in Kirche und Gesellschaft beim Umgang mit nichtmenschlichen Tieren als Chance anzuerkennen und entsprechend zu stärken und voranzutreiben;
17.
dass die Vielfalt von Flora und Fauna in möglichst vielen Bereichen (nicht nur in Schutzzonen) ermöglicht wird und insbesondere empfindungsfähigen Tieren ein weitestgehendes Recht auf Leben und freie Entfaltung eingeräumt wird – auch den großen Beutegreifern und Tieren der sogenannten invasiven Arten;
18.
ein mitfühlendes Wildtiermanagement im Allgemeinen und eine ultima-ratio-Jagd im Speziellen.

Unser neues Halbjahresprogramm 2/2024 ist erschienen!

Unser neues Halbjahresprogramm 2/2024 ist erschienen!

Die Ev. Akademie Hofgeismar will durch ihre Arbeit einen Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation leisten. Nachhaltigkeit muss zugleich ökologisch, sozial und ökonomisch gedacht und umgesetzt werden.

Unsere Veranstaltungen bieten Raum zur gemeinsamen Reflexion über aktuelle Entwicklungen. Dabei liegt uns besonders am Herzen, den Dialog zwischen unterschiedlichen Standpunkten und Überzeugungen zu fördern, im Sinne einer Demokratisierung der Demokratie.

Hier finden Sie das Programm von Juni bis Dezember 2024

Gerne senden wir Ihnen auch ein gedrucktes Exemplar – oder mehrere Hefte zum Weitergeben oder Auslegen. Bitte schreiben Sie uns eine Email an: ev.akademie.hofgeismar@ekkw.de

Wir freuen uns, Sie bei uns in Hofgeismar begrüßen zu können!

Stand: Mai 2024

Stellenausschreibung Studienleitung

Stellenausschreibung Studienleitung

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sucht für die Evangelische Akademie Hofgeismar zum 1. August 2024 im Umfang einer halben Stelle mit Dienstsitz in Hofgeismar eine*n Studienleiter*in (m/w/d) für das Ressort Politik & Gesellschaft.

Mit ihrer Tagungsarbeit leistet die Ev. Akademie Hofgeismar einen Beitrag zur Bearbeitung aktueller gesellschaftspolitischer Herausforderungen auf christlicher Grundlage. Die Tagungen der Akademie richten sich dabei in vielfältigen Formaten an Menschen aus Gesellschaft und Kirche in ihrer Diversität. Die Akademie dient der politischen, religiösen und kulturellen Bildung in christlicher Perspektive und ist als Ort der Auseinandersetzung mit kontroversen Positionen zugleich eine Werkstatt für eine demokratische Kultur.

Die ausführliche Stellenausschreibung finden Sie hier


„Wie geht’s dem Wald im Klimawandel?“ Kinderakademie-Bericht

„Wie geht’s dem Wald im Klimawandel?“ Kinderakademie-Bericht

Bei der Kinderakademie im Frühjahr 2024 entdeckten Familien spielerisch verschiedene Waldfunktionen und pflanzten 150 Rot-Erlen im Reinhardswald

Hofgeismar, 25.4.2024 – „Wie geht’s dem Wald im Klimawandel?“ – zu dieser Frage haben über 60 Menschen unterschiedlicher Generationen vom 19.-21. April 2024 an der Evangelischen Akademie Hofgeismar bei der Kinderakademie diskutiert, die in Kooperation mit der Universität Kassel, der Regionalstelle für Waldpädagogik Nordhessen von HessenForst und dem Forstamt Reinhardshagen organisiert wurde. Die dreitägige Veranstaltung bot Kindern und ihren Familien die Gelegenheit, sich kreativ und spielerisch mit dem Wald und der Natur auseinanderzusetzen, gleichzeitig die gravierenden Folgen des Klimawandels zu reflektieren und eigene Handlungsperspektiven zu entwickeln.

Etwa 60 Teilnehmer*innen unterschiedlicher Generationen lernen gemeinsam zu Themen einer Nachhaltigen Entwicklung an der Ev. Akademie Hofgeismar (Foto: Oliver Emde)

Weltweit sind die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten im Wald beheimatet, neben dem einmaligen Rohstoff Holz spendet er Menschen und Tieren Atemluft, speichert Wasser und schützt das Klima. Als gigantische Klimafabrik bindet der Wald auch CO2, filtert und reduziert Schadstoffe, außerdem senkt der Wald die Umgebungstemperatur. „Häufig sind uns diese überlebenswichtigen Funktionen für den Erhalt biologischer Vielfalt nicht bewusst – wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht!“, so Studienleiter Dr. Oliver Emde, der für politische Jugendbildung an der Ev. Akademie zuständig ist. „Auch, weil der Klimawandel nicht nur dem heimischen Wald schadet und seinen Fortbestand bedroht, wollen wir diesen hochvernetzten Lebensraum in den Mittelpunkt unserer Kinderakademie 2024 stellen. Die EKKW hat sich vorgenommen, einen an der Zukunft ausgerichteten Beitrag zum Klimaschutz und zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.

Der Student Mika Rettberg pflanzt mit einem Kinderakademie-Teilnehmer im Rahmen des Aktionstags Rot-Erlen im Reinhardswald. (Foto: Oliver Emde)

Die Kinderakademie bot ein abwechslungsreiches Programm mit Aktionsspiel im Park, Traumreise in den Wald der Zukunft und einer Ideenwerkstatt für nachhaltiges Handeln und politische Veränderungen. Außerdem konnten die Teilmnehmer*innen durch Unterstützung der Tischlerei StilEcht aus Kassel mit vorgefertigten Baumscheiben Wanduhren bauen. Besonderer Höhepunkt der Kinderakademie war in diesem Jahr die Exkursion in den Reinhardswald in der Nähe von Hofgeismar: Kinder, Eltern, erwachsene Begleiter*innen und Studierende haben hier zusammen mit Förster*innen und Waldpädagog*innen von HessenForst die Bedeutung des Waldes für das Klima an drei verschiedenen Stationen rund um den Judenbaum am Auerhahnkamp spielerisch erschlossen und mit vielen Sinnen entdeckt. Im Anschluss wurden alle zusammen aktiv – bei einer gemeinsamen Baumpflanzaktion, in der zusammen mit Mitarbeiter*innen von HessenForst über 150 Rot-Erlen gepflanzt wurden. „Spielerisch den Wald selbst erleben und dabei Handlungskompetenzen zu entwickeln, sind ein wichtiges Ziel der waldpädogischen Angebote von HessenForst”, betont Holger Pflüger-Grone, Forstamtsleiter Reinhardshagen. „Dieser Tag im Wald wurde insbesondere durch die reflektierenden Rückfragen der Kinder ein Aha-Erlebnis bei allen Altersgruppen. Dies bestätigt uns, dass waldpädagogische Angebote durch Försterinnen und Förster ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit im und für den Wald sind”, ergänzte Pflüger-Grone.

Baumscheiben anmalen bekleben und mit einem Uhrwerk ausstatten – auch kreative Auseinandersetzungen wurden angeboten. (Foto: Oliver Emde)

Studierende des Grundschullehramts von der Universität Kassel wurden in die konzeptionelle Entwicklung im Vorhinein und in die praktische Durchführung aktiv eingebunden. Sie lernen im Zuge ihres Engagements – und unterstützt und begleitet durch Dr. Gesine Bade, Didaktik der politischen Bildung – handlungsorientiert und am konkreten Vorhaben, welche Ziele in innovativen außerschulischen Lernarrangements im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung verfolgt und wie junge Menschen für globale Herausforderungen sensibilisiert werden können.

Presseartikel über die Lateinamerika-Tagung 2024: Grüne Energiewende – grüner Kolonialismus?

Presseartikel über die Lateinamerika-Tagung 2024: Grüne Energiewende – grüner Kolonialismus?

Auswirkungen auf die Länder Lateinamerikas sind weitreichend und müssen beachtet werden

In: Unabhängige BAUERNSTIMME 3/2024

Von: Götz Schmidt, Redakteur des Bauernblatts in den 70er Jahren, Dozent am FB ökologischer Landbau Uni Kassel-Witzenhausen, arbeitet jetzt als Autor


Unsere angestrebte Nachhaltigkeit kann anderswo bittere Konsequenzen haben. Das wurde deutlich in einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar zum Thema „Grüne Energiewende: Konflikte und Alternativen in und aus Lateinamerika“.

Seit einigen Jahren erleben wir eine „Charmeoffensive“ unserer Politiker, die mit Wirtschaftsdelegationen Südamerika auf der Suche nach neuen Rohstoffpartnerschaften bereisen. Rohstoffe werden gebraucht für die grüne Transformation in Deutschland. Lateinamerika hat Lithium für die Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge, wie auch für Photovoltaikanlagen, sie hat die seltenen Erden für Windkraftanlagen und hat die Sonne für den „Grünen Wasserstoff“. Ein E-Auto braucht ca. 53kg Kupfer, 9 kg Lithium, 40kg Nickel, 25 kg Magnesium, 14 kg Cobalt, 66 kg Graphit, seltene Erden usw. Doch was bedeutet das für die Länder, aus denen wir diese Rohstoffe beziehen? Ein Ergebnis der Tagung in Hofgeismar war, dass es dabei nicht nur um den gerechten oder ungerechten Handel mit den Rohstoffen liefernden Ländern geht. Wir brauchen nicht nur die Rohstoffe, sondern auch den Boden, das Wasser und die Arbeit der Länder Lateinamerikas. Damit greifen wir tief in das soziale Gefüge und die Ökosysteme ein. Es muss dabei nicht so zugehen, wie bei chinesischen Firmen. Aus Chile wurde berichtet, dass hier die Leute von den chinesischen Chefs mit der Peitsche zur Arbeit angetrieben werden. Europäische Firmen, darunter alle unserer Autohersteller, sehen sich eher als Entwicklungshelfer. Sie sind interessiert an einem Image der Transparenz.

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Ein Tagungsband mit den Berichten und Materialien ist geplant. Die nächsten Hofgeismarer Lateinamerikagespräche am 24.-26. Januar 2025 werden sich mit „Demokratie und Populismus“ beschäftigen.