Tagungskonzept „TheoPrax“ als multiprofessionellen Lernraum politischer Bildung auf Fachtagung präsentiert
Auf der Tagung „Politik-Lehre in der Sozialen Arbeit“, die am 18./19. März 2026 an der IU Internationalen Hochschule in Hannover stattfand, haben Hanne Kleinemas und Dr. Oliver Emde die Hessische Theorie-Praxis-Tagung „TheoPrax“ als innovatives Kooperationsformat vorgestellt. Unter dem Titel „Es geht ums Ganze! Multiprofessionelle Lernräume der politischen Bildung für die Politik-Lehre der Sozialen Arbeit“ stand dabei ein Format im Mittelpunkt, das seit 2016 Studierende, Lehrende und Praktiker*innen verschiedener Felder politischer Bildung zusammenbringt und politische Bildung als gemeinsames professionelles Handlungsfeld erfahrbar macht.

Ausgangspunkt unseres Beitrags war die Beobachtung, dass politische Bildung in der Sozialen Arbeit bislang nur selten als eigenständiges Berufsfeld reflektiert wird. Viele Studierende begegnen Akteuren, Konzepten und Strukturen der non-formalen politischen Bildung – wenn überhaupt – punktuell in Praxisphasen; ein systematischer Zugang bleibt häufig die Ausnahme. Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die Hessische Theorie-Praxis-Tagung an Bedeutung: Sie eröffnet einen Lernraum, in dem Studierende der Sozialen Arbeit, der Politikdidaktik, des Lehramts und weiterer Bezugsdisziplinen miteinander ins Gespräch kommen und politische Bildung nicht isoliert aus der Perspektive eines einzelnen Studiengangs, sondern im Austausch unterschiedlicher professioneller Logiken erschließen können.
In Hannover haben wir die Erfahrungen aus zehn Jahren Theorie-Praxis-Tagung vorgestellt und dafür plädiert, Kooperationsformate dieser Art stärker strukturell in Studiengänge und Studienordnungen einzubinden. Denn das Besondere dieses Formats liegt nicht allein in einem inhaltlichen Themenschwerpunkt, sondern in seinem didaktischen Aufbau: Die Theorie-Praxis-Tagung verbindet wissenschaftliche Reflexion, multiprofessionellen Austausch, praxisnahe Workshops und das Lernen an einem außeruniversitären Ort. Die Themen der vergangenen Jahre – von politischem Handeln über Erinnerungskultur bis hin zu autoritären Dynamiken – zeigen, dass das Format gesellschaftspolitisch aktuelle Fragen aufgreift und diese systematisch mit professionellen Perspektiven der politischen Bildung verschränkt.

Im Workshop in Hannover haben wir drei Dimensionen dieses Lernarrangements besonders hervorgehoben. Erstens ging es um die Frage: Unterschiedliche Blickrichtungen – eine Profession? Politische Bildung und Demokratiebildung werden in Sozialer Arbeit, schulischer Politikdidaktik und non-formaler politischer Bildung durchaus unterschiedlich konzipiert. Gerade deshalb ist das Zusammentreffen von Studierenden und Dozierenden aus verschiedenen Studiengängen produktiv: Es macht unterschiedliche Handlungslogiken sichtbar, eröffnet Räume für Diskussion und ermöglicht, sich trotz aller Differenzen als Verbündete einer gemeinsamen demokratischen Aufgabe zu verstehen. Angesichts gegenwärtiger autoritärer Angriffe auf das Demokratische ist diese Erfahrung von gemeinsamer Verantwortung alles andere als nebensächlich – sie ist zentral.
Zweitens haben wir die Kooperation mit Praktiker*innen non-formaler politischer Bildung in den Mittelpunkt gestellt. Die Theorie-Praxis-Tagung bringt Studierende mit einem breiten Spektrum von Akteur*innen zusammen: mit Schule und Hochschule, mit staatlich getragenen Institutionen, freien Trägern politischer Bildung, konfessionell geprägten Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen.

Im Workshop in Hannover konnten die Teilnehmenden dies exemplarisch anhand des von uns eingesetzten „Trägerlandschafts-Kartenspiels“ nachvollziehen. Diese Methode lädt dazu ein, die Vielfalt der Träger politischer Bildung zu sortieren und zu diskutieren. So wird erfahrbar, dass politische Bildung ein plurales, historisch gewachsenes und interessengeleitetes Feld ist – keineswegs ein einheitlicher oder „neutraler“ Bereich. Das Kartenspiel bot damit einen konkreten Einblick in die Arbeitsweise der Theorie-Praxis-Tagung, ohne den Bericht selbst zu stark auf die Methode zu verengen.
Drittens haben wir die Bedeutung außeruniversitärer Bildungsstätten als Lernorte hervorgehoben. Gerade Orte wie die Evangelische Akademie Hofgeismar – oder zuvor das katholische Haus am Maiberg in Heppenheim, in dem bis zu seiner Schließung die TheoPrax zuhause war – schaffen Erfahrungsräume, in denen politisches Lernen jenseits der Routinen formaler Hochschullehre möglich wird. Sie fungieren als „dritte Orte“, die sozialen und kommunikativen Austausch fördern und es erlauben, sich konzentriert auf gemeinsame Lern-, Reflexions- und Diskussionsprozesse einzulassen und damit selbst als Ort demokratischer Bildungsprozesse sichtbar wird.
Für die Evangelische Akademie Hofgeismar ist die Theorie-Praxis-Tagung deshalb weit mehr als ein bewährtes Kooperationsprojekt. Sie ist ein profilierter Beitrag dazu, politische Bildung als gemeinsame Aufgabe unterschiedlicher Professionen, Träger und weltanschaulicher Hintergründe zu gestalten. Dass dieses Format konfessionsübergreifend mit Partner*innen wie Hanne Kleinemas aus der katholischen Jugendbildung weiterentwickelt und auf Fachtagungen bundesweit vorgestellt wird, unterstreicht seine Strahlkraft. Die Resonanz in Hannover hat uns in der Überzeugung bestärkt, dass die TheoPrax-Tagung ein Modell mit Zukunft ist: als Lernraum, als Kooperationsformat und als starkes Argument dafür, politische Bildung in der Sozialen Arbeit systematischer zu verankern.
Für weitere Informationen und Fragen wenden Sie sich gerne an Hanne Kleinemas (Katholisches Jugendbüro (KJB) Südhessen) oder Dr. Oliver Emde (Ev. Akademie Hofgeismar).